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Die Ausstellung Archipel ist die erste Einzelausstellung des Berliner Architekten Arno Brandlhuber (*1964) in einer Kunstinstitution. Neben Beteiligungen an der Architekturbiennale in Venedig (2012, 2008, 2006, 2004), der Gestaltung des deutschen Pavillons zusammen mit Thomas Demand auf der São Paulo Biennale (2004) und weltweiten Präsentationen seiner Entwürfe erhielt Brandlhuber zahlreiche deutsche und internationale Architekturpreise. Brandlhuber verwandelt die Ausstellungsräume des Neuen Berliner Kunstvereins in eine insulare Stadtlandschaft aus Beton (mit unterschiedlichen Zusatzstoffen) und verwendet dabei Elemente vorgängiger Ausstellungsarchitekturen: Karin Sanders Kernbohrungen (2011) dienen als Öffnungen für die Betonschüttungen und Olafur Elliasons Forever Lamp (2011) aus der Ausstellung The Future Archive (2012) spendet Licht. Durch die Schüttungen im Ausstellungsraum erwächst eine begehbare abstrakte Stadtlandschaft Berlins, bestehend aus imaginär miteinander verbundenen Einheiten. Der räumliche Effekt des Insularen wird durch verspiegelte Wände noch verstärkt. Durch die Umnutzung und Überschreibung vorhandener Elemente entsteht eine Collage aus verschiedenen raumzeitlichen Interventionen nach dem Prinzip der architektonischen Umstrukturierung. Zusätzlich ist die Tonspur eines Werbespots des Architektur- und Designprojekts yoo berlin von Philippe Starck zu hören. Die Zusammenarbeit zwischen dem Neuen Berliner Kunstverein und Arno Brandlhuber begann bereits 2011. Mit dem Wahlplakat RGB 165/96/36 CMYK 14/40/80/20 (2011) zur Berliner Landtagswahl (als n.b.k. Edition erhältlich) forderte Brandlhuber damals von der Politik Alternativen zu Bauplänen und der damit einhergehenden Ordnung von sozialen Beziehungen.

Der Titel Archipel ist der Debatte um Oswald M. Ungers’ städtebauliches Konzept Die Stadt in der Stadt. Berlin – Das Grüne Archipel entlehnt. Diese Studie verfasste Ungers 1977 während einer Sommerakademie in Berlin zusammen mit Rem Koolhaas, Hans Kollhoff, Peter Riemann und Arthur Ovaska. Vor dem Hintergrund eines damals schrumpfenden West-Berlins konzentriert sich die Studie auf Fragen des städtischen Umbaus. Geplant waren identifizierbar, verdichtete städtische Inseln, die eingebettet in einen Grünzug mit verschiedenen temporären Nutzungen sowie technischer Infrastruktur Berlin als „Grünes Archipel“ ausprägen sollten. Im vereinigten Berlin von heute lässt sich die aktuelle Umgestaltung der Stadt mit sozialpolitischen Fragen verbinden, aber auch mit Fragen der Architektur der Berliner Republik sowie internationaler Diskurse um urbane Entwicklungen. Was für eine soziale Stadt als Natur-Kultur-Raum ist heute (überhaupt noch) möglich, ließe sich in Anlehnung an Ungers’ Konzeption Die Stadt in der Stadt fragen. Den Anfangspunkt für die Beantwortung dieser Frage setzte Arno Brandlhuber mit einer künstlerischen Dystopie aus politischer Einheitsfarbe (RGB 165/96/36 CMYK 14/40/80/20) und nachfolgend nun mit Beton (Archipel). Was 1977 als verdichteter städtischer Raum gedacht wurde, erweist sich heute als Homogeniserungsprozess ganzer Bezirke: von der Mitte des Neuen Berlin zu den Hartz IV-Randlagen in den ehemaligen Plattenbausiedlungen des damals wachsenden Ost-Berlins.




Arno Brandlhuber, Archipel
Neuer Berliner Kunstverein, Berlin (Deutschland)
08.09 - 04.11.2012



11.10.2012 - 20.01.2013




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Ausstellung 8. September – 4. November 2012. Neuer berliner Kunstverein (N.B.K.), Chausseestrasse 128 / 129 - Berlin (Deutschland). Dienstag - Sonntag 12 - 18 Uhr - Donnerstag 12 - 20 Uhr.





Claude Lévêque, Weisswald, Cabaret Voltaire, Zurich

Arno Brandlhuber, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2012, Foto: Jens Ziehe


Arno Brandlhuber, Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein, 2012, Foto: Jens Ziehe

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