ArtCatalyse International Ausstellungen

International Archiv 2015


 Presstext


Künstlerische Interventionen im Museum für Naturkunde

Ein Kooperationsprojekt mit der Kulturstiftung des Bundes,
Projektzeitraum: 1. April 2014 bis 31. März 2018

Naturkundemuseen sind seit ihren Anfängen Orte, in denen Künstlerinnen und Künstler intensiv in den Prozess der Naturerforschung einbezogen waren. An der Seite reisender Wissenschaftler haben sie die Geschichte des Lebens auf der Erde miterzählt, mitgezeichnet und mitgestaltet. Sie waren an der zeichnerischen Dokumentation von Sammlungen ebenso beteiligt wie an der Präsentation von Natur im Ausstellungsraum.

Vor diesem Hintergrund entwickeln das Museum für Naturkunde Berlin und die Kulturstiftung des Bundes ein Modellprojekt, das internationale Künstlerinnen und Künstler zu Interventionen in eines der renommiertesten Naturkundemuseen Europas einlädt. Das Projekt eröffnet künstlerische Perspektiven auf Natur und museale Kultur, rückt wissenschaftliche Objekte des Hauses in ein anderes Licht und kartiert Räume naturkundlichen Wissens neu.

Mit mehreren Interventionen aus den Sparten visuelle Kunst, Klangkunst und Literatur ermöglicht das Modellprojekt einen Experimentalraum für die Wechselwirkungen von Kunst, Museumspraxis und Naturforschung und soll damit bundesweit und international als Vorbild für zeitgenössische Kunst in Naturkundemuseen dienen.


Am 27.08.2015 eröffnen die ersten Interventionen von:


Nach kuratorischen Konzepten von Gaby Hartel, Juan A. Gaitan und Cord Riechelmann.


A K Dolven, Fischgesänge aus den Tiefen des Fjordes

Bei A K Dolvens Recherchen für eine Klanginstallation zu den Fischen in der Nass-Sammlung des Museums, schlug sie vor, nicht nur mit Tonkonserven zu arbeiten, sondern Geräusche beim Laichgeschehen des Kabeljaus vor Ort einzufangen. Folglich haben wir eine kleine gemeinsame Expedition zu den Lofoten, der Heimat von A K Dolven, organisiert.

Für alle Beteiligten war dies Neuland – angefangen von den technischen Herausforderungen, Lautaufnahmen im freien Meer in 50m Tiefe zu erstellen, bis hin zur ungewöhnlichen Geräuschkulisse. Trotz mehrmaligem Verheddern der Hydrofonkabel ist es uns doch gelungen, gute Aufnahmen des Grunzens und Klickens der Fische zu erstellen. Damit wurde auch das Tierstimmenarchiv um Originalaufnahmen von Fischstimmen bereichert, die ab Eröffnung der Intervention am 27. August auch online in unserer Datenbank zu hören sein werden.
























Art/Natur

Museum für Naturkund Berlin (Deutschland)

28.08 - 29.11.2015



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Austellung 28. Jaugust - 29 November 2015. Museum für Naturkunde Berlin - Leibniz insitute for  Evolution and Biodiversity Science, Invalidenstr. 43 - 10115 Berlin (Deutschland).











 





 











Art/Natur, Museum für Naturkund Berlin

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A K Dolven, echo echo

A K Dolven, echo echo

Saâdane Afif, Das Ende der Welt

Saâdane Afif kündigt in seiner Intervention das Ende der Welt an. Seine Kunst ist geprägt von dem Verständnis, dass der Entstehungsprozess des Kunstwerkes mit der Zeit der Ausstellungsdauer verschmilzt. Für „Das Ende der Welt“ arbeitet Afif mit mehreren zeitlichen und flüchtigen Aspekten von Kunst.

Für die Intervention interviewte Afif Mitarbeiter des Museums für Naturkunde, was in Form eines fiktiven Gespräches Teil der künstlerischen Arbeit werden wird. In dieser Auseinandersetzung mit dem Museum, welches natürliche Objekte der Welt sammelt und erforscht, entwickelte Afif die Metapher des Museums als Welt – mit eigenen Strukturen, Wünschen und Konflikten. Mit einem melancholischen Blick fragt er sich dabei, was die Zukunft bringen kann, denn auf alle Welten wartet ein Ende.

Afif stellt während der Ausstellungsdauer kein Objekt in den Räumen des Museums aus, sondern hinterlässt lediglich eine sichtbare Spur in Form von Postern, welche die vergängliche Performance „Das Ende der Welt“ zum Ausstellungsende am 29. November ankündigen. Unweigerlich fragt man sich, von welcher Welt das Ende angekündigt wird – von der wirklichen Welt, der metaphorischen Welt des Museums oder von einer weiteren Welt, die so untersucht und ausgehöhlt wurde, dass sie entleert zu Ende geht. Dem Verständnis des Künstlers folgend ist in gewissem Sinne auch jede Ausstellung eine eigene Welt, die mit der Aufführung ihr Ende findet.

Teil von Afifs künstlerischer Praxis ist ein selbstreflexives Spiel mit seiner eigenen Arbeit. In anderen Arbeitszyklen steht oftmals ein Objekt am Anfang, welches von Künstlerkollegen in andere Medien wie Texte oder Kompositionen übersetzt wird. Diese Auseinandersetzung beinhaltet die Idee einer unabgeschlossenen und sich ständig transformierenden Arbeit, die immer wieder neue, sich aufeinander beziehende und vermischende Arbeiten hervorbringt. Auch „Das Ende der Welt“ stellt einen Anfangspunkt dar – diesmal in Form von Gesprächen und einer Performance. Afif verkündet in dieser Arbeit also ein Ende, welches zugleich einen Anfang bezeichnet.

Ein Werk von Saâdane Afif in Zusammenarbeit mit Augustin Maurs.


Saâdane Afif, La fin du monde

Saâdane Afif, La fin du monde, 2015

Sabine Scho & Andreas Töpfer, The Origin of Senses

Darwin gab dem Leben auf Erden den Sinn, dass keine Art nur für sich stehe. Die poetische Intervention „The Origin of Senses“ von Sabine Scho und Andreas Töpfer erkennt sich darin wieder und spürt der Frage nach, wie es für unterschiedliche Organismen ist, sich und ihre Umwelt sinnlich wahrzunehmen und zu erkennen.

Es macht keinen Sinn, einem Gemeinsinn (common sense) zu folgen, wenn man die Sinne unterschiedlicher Arten erforscht. Die Einfallstore der Reize sind so vielfältig und sich dabei oft so ähnlich, wie es die Arten selber sind. Rezeptoren für Licht, Temperatur, Gleichgewicht, Geschmack, Geruch, Geräusche, elektrische Spannung und die Eigenempfindungen wie Lage und Bewegung im Raum, Schmerz und Organtätigkeit mögen von Art zu Art verschieden verteilt und ausgebildet sein, doch lassen immer neue Forschungsergebnisse darauf schließen, dass sie nahezu bei jedem Lebewesen nachgewiesen werden können. Erst jüngst fand man bei Fadenwürmern eine innere Antenne, mit der sie sich am Magnetfeld der Erde ausrichten und ihre Bewegungen koordinieren können.

Im Ausstellungsraum treten die Gedichte von Sabine Scho und die Zeichnungen von Andreas Töpfer in Dialog mit verschiedenen Exponaten. Begleitend zur Intervention erscheint das Magazin „The Origin of Senses“, das im Museumsshop erhältlich ist.

Kurator für Literatur: Cord Riechelmann.


Sabine Scho et Andreas Töpfer, L’Origine des sens

Sabine Scho und Andreas Töpfer, L’Origine des sens