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International Archiv 2016

 Presstext


Künstlerische Interventionen II

Mit akustischen Dioramen des Künstlerduos Serotonin, kuratiert von Gaby Hartel, sowie Zeichnungen und Siebdrucken von Fernando Bryce eröffnet die zweite
Runde des Modellprojekts Kunst/Natur. Im Fokus beider Interventionen stehen die Geschichte und Sammlungen des Museums um 1900.

























Art/Nature II

Museum für Naturkunde Berlin (Deutschland)

19.07 - 16.10.2016



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Art/Nature II, Museum für Naturkunde Berlin

© ArtCatalyse International / Marika Prévosto 2016. Alle Rechte vorbehalten

Fernando Bryce, Paradoxurus adustus / Auf frischer Tat

Fernando Bryce nähert sich dem Museum für Naturkunde aus kulturhistorischer und globalpolitischer Perspektive. Sein zweiteiliges Werk widmet sich musealen Ordnungs- und Klassifikationssystemen sowie Bildwelten der naturkundlichen Forschung im frühen 20. Jahrhundert.

Bei seinen Recherchen im Museum stieß Bryce auf eine Pappschachtel mit Etiketten, die einst der Beschriftung von Objekten, Schubladen und Schränken in der Säugetiersammlung dienten. Teilweise unvollständig, versehen mit Gattungs- oder Artnamen, Angaben zu Sammlern oder geographischer Herkunft entfalten diese funktionslos gewordenen Überbleibsel eine ganz eigene Poesie. Im Zusammenspiel mit Inventarlisten, einem weiteren Medium zur Erfassung von Sammlungsobjekten, lässt Bryce aus diesen bisher wenig beachteten Materialien eine großformatige Serie aus Tuschezeichnungen und Siebdrucken entstehen. „Paradoxurus adustus“ ist nicht nur eine Hommage an scheinbar unscheinbare Museumsdinge, sondern ermöglicht es auch, sich über Bilder einer naturkundlichen Erschließung und Aneignung der Welt zu nähern.

Seine Methode, historische Texte und Bilder in Tuschezeichnungen zu überführen, zu vergrößern und neu zu arrangieren, wendet Bryce auch bei seinem zweiten Bilderzyklus „Auf frischer Tat“ an. Dabei setzt er sich mit der Repräsentation naturkundlicher Forschung in Medien des frühen 20. Jahrhunderts auseinander. Als Ausgangsmaterial dienen ihm Zeitungsartikel, Reiseberichte, Forscherporträts oder populärwissenschaftliche Zeitschriften, die Bryce im Museumsarchiv und in Bibliotheken recherchiert hat. Indem er Einzelbilder aus den historischen Materialien auswählt und zueinander in Beziehung setzt, schafft Bryce neue Sinnzusammenhänge und lässt die politische und kulturelle Dimension naturkundlicher Forschung sichtbar werden.


Serotonin, Parcours dans la mer de ciel. Parcours durch das Himmelsmeer. Oder: der Levitit

Das Duo Serotonin hat eine fünfteilige Intervention entwickelt, fünf akustische Dioramen, mit denen die Künstler in drei Ausstellungsräumen subtil und produktiv die Forschungs- und Sammlungsgeschichte des Museums für Naturkunde kommentieren. Die akustischen Dioramen bestehen aus fünf kleinen, von den Künstlern gebauten und gestalteten Präsentationsräumen, White Cubes, die in Guckkästen aus dem Museumsbestand eingelassen sind.

Diese Hör-, Denk-und Sehstationen entsprechen den fünf Kapiteln einer von Serotonin geschriebenen und produzierten skurrilen Expeditionsgeschichte. Zeit der Handlung: 1884. Die noch junge Nation Deutschland ringt um Macht auf der weltpolitischen Bühne. Orte der Handlung: der Berliner Tiergarten, wo der Kronprinz eine höchst inoffizielle Audienz abhält, und eine Höhle in der künftigen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Angeregt von einer Levitationsshow mit schwebender Jungfrau im Berliner Wintergarten, träumt der junge van Berg zunächst von „einer kaiserlichen Flotte im Himmelsmeer“, um dann durch eine Verkettung interessenspolitischer Zufälle Leiter einer Expedition in Afrika zu werden.

Serotonin hat diese Geschichte einer Forschungsreise ins Komische pointiert und kulturkritisch verdichtet. Die Stationen sind skulptural und erzählerisch ausgestattet: Sie schneiden komplexe Themen an, wie etwa das Überschreiten von Grenzen, die Selbstdefinition im Fremden, die Entstehung von Heimat- und Nationalgefühlen.

Serotonin, das sind Marie-Luise Goerke und Matthias Pusch. Das Berliner Audiokunstduo produziert Hörspiele, Hörbücher und Klanginstallationen. Kuratorin: Gaby Hartel.



Photo: Carola Radke, Museum für Naturkunde Berlin.


Ausstellung 19 Juli - 16 Oktober 2016. Museum für Naturkiunde Berlin, Invalidenstrasse 43 – 10115 Berlin (Deutschland). Tel. : +49 (30) 209 388 22. Öffnungszeiten: Di - Fri 9:30 - 18:00, Sa - So 10:00 - 18:00.