ArtCatalyse International Ausstellungen

Pressmitteilung

 

Projektleitung: Rainer Jessl
Kuratorenteam: Genoveva Rückert, Julia Stoff, Martin Sturm, Rainer Zendron
Außenstellen: Kunstsammlung des Landes OÖ, Parkbad, Power Tower Energie AG, OÖ Landesgartenschau Ansfelden 2011


Das Projekt wurde im Rahmen des Programms Regionale Wettbewerbsfähigkeit OÖ 2007 - 2013 aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung sowie aus Mitteln des Landes OÖ gefördert.

Das OK Offenes Kulturhaus und seine Partner setzen mit HÖHENRAUSCH.2 erneut einen Meilenstein. Neben dem Ausstellungszentrum im OK und auf den Dächern der Innenstadt ist ein breites Netzwerk an Partnern an der Konzeption und Umsetzung dieses Großprojektes beteiligt.


Mit insgesamt 51 Künstlerinnen und Künstlern aus 17 Nationen wurden 46 Kunstprojekte realisiert, die zum Teil ortspezifisch neu produziert wurden. Im Mittelpunkt steht die emotionale Erlebnisqualität künstlicher Naturereignisse: Die Ausstellung inszeniert die Phänomene „Luft“ und „Wasser“ in einem urbanen Umfeld. Atmosphärisch gestimmte Installationen lassen künstlerische Erlebnisräume entlang des Parcours entstehen.


Zum Auftakt bringt Žilvinas Kempinas Magnetbänder mit Ventilatoren zum Fliegen; daneben rauschen Rúrís 52 isländische Wasserfälle als Ton- und Fotoarchiv. Einen Stock höher setzt Stefan Banz den Parkettboden im Großen Saal des OK real unter Wasser und sorgt für Wahrnehmungsirritationen. Vor dem Ausstieg ins Freie installieren Lang/Baumann eine luftgefüllte, zylinderförmige Blase, die sich durch eine Öffnung nach Außen Richtung Straße drängt. Auf dem Dach verwandelt Fujiko Nakaya ein unansehnliches Autoparkdeck mit zahlreichen Wasserdüsen in ein geheimnisvolles, windiges Nebelmeer. Auf einer großen Freifläche dahinter baut Jeppe Hein einen seiner spektakulären interaktiven Wasserpavillons.


Noch weiter oben wird das von Lüftungsgeräten dominierte Flachdach eines Einkaufzentrums zum Ausstellungsraum für Ursula Stalders systematisch geordneten Fundstücke aus der Lagune von Venedig. In einem, durch die Brücken von Jürg Conzett erschlossenen Glockenturm erzeugt Wolfgang Dorninger ‚falsche’ Windgeräusche mit der Replik einer barocken Windmaschine (aber nur, wenn sie von den BesucherInnen bedient wird). Beim Wiedereinstieg in das OK begrüßt Eduardo Coimbra mit einem Himmelspanorama aus Neonröhren. Vor dem Übergang in das ehemalige Klostergebäude produziert die Rauchmaschine von Pipilotti Rist wunderschöne, kurzlebige Luft-Blasen.


Im Dachgeschoß des Ursulinenhofes schwebt Pepi Maiers spiralenförmige Kupferrohr-Eisskulptur, vereist durch die Luftfeuchtigkeit im Raum und mithilfe einer Kältemaschine. Nach einem verwinkelten Einstieg in den Nordturm erreicht man schließlich den großen Dachboden der Ursulinenkirche. Dort sorgen Gisela Motta und Leandro Lima mit einer hydraulischen Neonwelle für eine entrückte blaue Stunde. Der letzte Ausstellungsort führt in das Hauptschiff der Kirche, den Janet Cardiff und George Bures Miller ab 9.Juli mit einem prominenten Lautsprecher-Kollegium in einen vierzigstimmigen Luft-Klangraum verwandeln. Daneben zeigen sich auf dem Rundweg kleinere künstlerische Interventionen, Wolkenbilder, Luftschlangen, und ein Blaues Kabinett der Elemente mit zahlreichen künstlerischen Objekten. Die lokalen Kunstvereine kooperieren mit eigenen Beiträgen in der Studiogalerie der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich. Schließlich wird die Ausstellung auch von einem eigenen Geisterpfad für Kinder durchkreuzt, der auf spielerische Weise in die imaginäre Welt seltsamer Himmels- und Wasserwesen führt.


Die beeindruckenden Installationen bilden Natur nicht bloß ab, sondern schaffen ästhetische Erlebnisräume. Empfinden und Wissen bewegen sich im Paarlauf durch die Ausstellung und sind in den einzelnen Stationen dramaturgisch miteinander verschränkt. Unsere Vorstellungen über die Natur – die Bilder, welche wir uns von ihr machen – sowie unsere Beziehung zu ihr werden ins Blickfeld gerückt. Die Natur wird dekonstruiert. Ein wichtiges Ziel der Kunst ist es, unsere Gewissheit zu verlieren (Eisenmann). Nichts ist dafür besser geeigneter, als ein Konzept des Staunens, das als Voraussetzung, Auslöser und Triebfeder des Wissensdurstes gilt.












Brücke im Himmel
OK, Linz (Österreich)

13.05 - 16.10.2011



















11.10.2012 - 20.01.2013




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Ausstellung 12 Mai – 16 Oktober 2011. KO | Höhenrausch.2, OK Platz 1 - 4020 Linz (Österreich). Tel.: +43 732 784 178. Mon - Fr 12.00 - 22.00. Sa/So/Feiertage 10.00 - 22.00.















Animism
Haus der Kulturen der Welt, Berlin (Deutschland).
16.03 - 06.05.2012

Text von Anselm Franke, Kurator der Ausstellung „Animismus“

Die Ausstellung „Animismus“ beginnt bei dem, was uns allen aus Kunst und massenkulturellen Produkten – dem Trickfilm etwa – als Animation bekannt ist. Innerhalb der Kunst ist die Animation ein bekannter Effekt, anhand dessen Leben und Lebendigkeit suggeriert werden, insbesondere durch Bewegung, den aber auch Skulpturen oder bestimmte Bilder auszulösen imstande sind, insbesondere wenn diese den Blick des Betrachters gleichsam zu erwidern scheinen.

Aber was wir in der Kunst als Effekt akzeptieren, ist außerhalb dieser ein historisches Problemfeld. Was nehmen wir als lebendig wahr? Wenn wir diese Frage jenseits des Feldes der Kunst stellen, zieht sie unweigerlich Fragen nach sich, die uns auffordern, weitere Unterscheidungen zur Klärung anzuführen. Der bloße Effekt von Lebendigkeit ist nicht mit Eigenleben gleichzusetzen, das scheint außer Frage zu stehen. Aber wo verläuft die Trennungslinie? Was besitzt Seele, Leben, und Handlungsmacht? Dass die Grenze etwa zwischen beseelter und unbelebter Materie oder zwischen reinen Subjekten und bloßen Objekten keineswegs naturgegeben ist, dafür spricht schon die Tatsache, dass diese Grenze in verschiedenen Kulturen höchst unterschiedlich wahrgenommen und konzipiert wird. Eine letztgültige „objektive“ Bestimmung der „richtigen“ Trennung wird es daher kaum geben – um sich das auch innerhalb der eigenen Kultur zu vergegenwärtigen, denke man nur an die Unwägbarkeiten etwa bei der Debatte um den Zeitpunkt des menschlichen Todes und die Definition des „Hirntods“. Die Trennlinie ist aber auch keineswegs eine „rein“ subjektive Angelegenheit – immerhin ist sie für die Organisation der materiellen Beziehungen zur Natur ebenso entscheidend wie für die Frage, welchen sozialen und politischen Status Lebewesen in einer bestimmten Gesellschaft einnehmen. Können wir diese Trennlinie selbst und die sie organisierenden Wissensordnungen und Praktiken in den Blick nehmen? Das Projekt „Animismus“ geht davon aus, dass sich die Grenzziehungen im Imaginären einer Kultur symptomatisch spiegeln, dass Repräsentationen, ästhetische Prozesse und mediale Bilder diese Trennlinien konsolidieren, reflektieren und überschreiten. Die Ausstellung untersucht daher, wie sich diese Grenze in ästhetischen Prozessen der Subjektivierung und Objektivierung widerspiegeln, und sie versucht, diese ästhetischen Prozesse in die konkreten geschichtlich-politischen Hintergründe der kolonialen Moderne einzuschreiben.

Das radikalste Gegenbild zur westlich-modernen Weltsicht, deren dualistische Konzeption von einer kategorischen Subjekt-Objekt- Trennung ausging, findet sich im Animismus. Als animistisch werden solche Weltsichten bezeichnet, in denen es keine kategoriale Trennung von Natur und Kultur gibt, in der Objekte, die Natur oder der gesamte Kosmos als belebt wahrgenommen, und daher quasi subjektiviert werden. Ende des 19. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt von Kolonialismus und wissenschaftlichem Fortschrittsglauben, suchte das moderne Weltbild sich im Bild des vormodernen Anderen selbst zu bestätigen. Und der Animismus wurde zum exemplarischen Ausdruck dieser Vorstellung vom Anderen. Animismus ist ein Gegenbild zur „entzauberten“, objektivierten, verdinglichten Welt der Moderne. Aus dieser Perspektive steht er für eine Welt der magischen Verwandlungen, in der die aus der Sicht der Moderne richtigen Grenzen vermeintlich verkannt oder – in einer romantisch-utopischen Wendung – überwunden worden sind. So real die Existenz animistischer Kulturen ist – sie machen nach einem christlichen Handbuch für Missionare heute in all ihrer Heterogenität rund 40 Prozent der Weltbevölkerung aus –, so problematisch war deren Erklärung für die westlich-moderne Tradition. Gehen wir von den eigenen Grundannahmen darüber aus, was „Natur“ und „Kultur“, „Objekte“ und „Subjekte“ konstituiert, so bleibt uns scheinbar nichts anderes übrig, als den Animismus als einen „Glauben“ zu charakterisieren, der die objektive Realität der Dinge verfehlt, und ihn anschließend als einen psychologischen Mechanismus zu erklären. Dabei werden aber die eigenen Grundannahmen und Grenzziehungen unhinterfragt auf andere Kulturen projiziert.

Der Animismus wird hier deswegen thematisiert, weil er eine reale Grenze der westlich-modernen Vorstellung darstellt, weil er eine Provokation des modernen Realitätsprinzips darstellt, das sich tief in die Alltagswahrnehmung eingeschrieben hat. Bestenfalls noch werden animistische Praktiken unter der Rubrik der „Kultur“ anerkannt, aber nur, solange sie keinen Anspruch einklagen, Aussagen über die wirkliche Beschaffenheit etwa der Natur zu treffen. „Animismus“ ist daher keine Ausstellung über den Animismus, die ethnografische Objekte in Vitrinen zeigt, von denen andere Kulturen behaupten, sie seien belebt. Denn die westliche Vorstellung vom Animismus des vormodernen Anderen, der fälschlich an die Beseelung von in Wirklichkeit unbelebten Objekten glaubt, ist selbst ein symptomatischer Ausdruck der modernen Grundannahmen. Der Begriff und die darin angelegte Vorstellung werden hier dagegen wie ein Rückspiegel betrachtet, anhand dessen die eigenen Grundannahmen zur Disposition gestellt werden können und damit als Produkte von Grenzziehungen erkennbar werden. Lässt sich Animismus jenseits der westlichen Vorstellung davon, was „Leben“, „Seele“, „Selbst“, „Natur“, „übernatürliche Kräfte“ oder „Glaube“ sind, als Praxis begreifen, beider es um andere Erfahrungen geht, um Prozesse und Wechselwirkungen von Subjektivierung und Objektivierung etwa, und nicht um starre Kategorien? Das Projekt „Animismus“ legt die Notwendigkeit einer Revision und Dekolonisierung nicht nur des überkommenen Verständnisses von Animismus, sondern auch des sich darin ausdrückenden modernen imaginären nahe.












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© ArtCatalyse International / Marika Prévosto 2012. Alle Rechte vorbehalten

Artists : Adam Avikainen, Artefakte//anti-humboldt, Angela Melitopoulos und Maurizio Lazzarato, Tom Holert, Martin Zillinger and Anja Dreschke, Dierk Schmidt, Jimmie Durham, Daria Martin, Paulo Tavares, Agency, Len Lye, Walt Disney, Ken Jacobs, Marcel Broodthaers, Didier Demorcy, Vincent Monnikendam, Candida Höfer, Yayoi Kusama, Victor Grippo, León Ferrari, J.J. Grandville, Rosemarie Trockel, Erik Steinbrecher, Daniel Spoerri, Istvan Orosz, Lars Laumann, David Maljkovic, Anna und Bernhard Blume, Roee Rosen, Hans Richter, Jean Painlevé, Walon Green,

David Abram, Cornelius Borck, Harry Garuba, Avery F. Gordon, Alejandro Haber, Tom Holert, Esther Leslie, Thomas Macho, Angela Melitopoulos/Maurizio Lazzarato, Tobie Nathan, Spyros Papapetros, Elisabeth von Samsonow, Erhard Schüttpelz, Gabriele Schwab, Isabelle Stengers, Michael Taussig, Paulo Tavares, und Rane Willerslev.


Tom Holert, The Labours of Shine, 2012. Courtesy the artist

Anselm Franke ist Ausstellungsmacher, Kritiker und Dozent. Er ist Kurator der Ausstellung „Animismus“, präsentiert von 2010–2012 in verschiedenen Kapiteln in Antwerpen, Bern, Wien, Berlin und New York.

Ausstellung 16 March - 6 Mai 2012. Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles Allee 10 - 10577 Berlin. Tel.: +49 (0)3 03 97 870. Öffnungzeiten : Mi. - Mo. 11 - 19 Uhr.


Animism
Haus der Kulturen der Welt, Berlin (Deutschland).
16.03 - 06.05.2012

Text von Anselm Franke, Kurator der Ausstellung „Animismus“

Die Ausstellung „Animismus“ beginnt bei dem, was uns allen aus Kunst und massenkulturellen Produkten – dem Trickfilm etwa – als Animation bekannt ist. Innerhalb der Kunst ist die Animation ein bekannter Effekt, anhand dessen Leben und Lebendigkeit suggeriert werden, insbesondere durch Bewegung, den aber auch Skulpturen oder bestimmte Bilder auszulösen imstande sind, insbesondere wenn diese den Blick des Betrachters gleichsam zu erwidern scheinen.

Aber was wir in der Kunst als Effekt akzeptieren, ist außerhalb dieser ein historisches Problemfeld. Was nehmen wir als lebendig wahr? Wenn wir diese Frage jenseits des Feldes der Kunst stellen, zieht sie unweigerlich Fragen nach sich, die uns auffordern, weitere Unterscheidungen zur Klärung anzuführen. Der bloße Effekt von Lebendigkeit ist nicht mit Eigenleben gleichzusetzen, das scheint außer Frage zu stehen. Aber wo verläuft die Trennungslinie? Was besitzt Seele, Leben, und Handlungsmacht? Dass die Grenze etwa zwischen beseelter und unbelebter Materie oder zwischen reinen Subjekten und bloßen Objekten keineswegs naturgegeben ist, dafür spricht schon die Tatsache, dass diese Grenze in verschiedenen Kulturen höchst unterschiedlich wahrgenommen und konzipiert wird. Eine letztgültige „objektive“ Bestimmung der „richtigen“ Trennung wird es daher kaum geben – um sich das auch innerhalb der eigenen Kultur zu vergegenwärtigen, denke man nur an die Unwägbarkeiten etwa bei der Debatte um den Zeitpunkt des menschlichen Todes und die Definition des „Hirntods“. Die Trennlinie ist aber auch keineswegs eine „rein“ subjektive Angelegenheit – immerhin ist sie für die Organisation der materiellen Beziehungen zur Natur ebenso entscheidend wie für die Frage, welchen sozialen und politischen Status Lebewesen in einer bestimmten Gesellschaft einnehmen. Können wir diese Trennlinie selbst und die sie organisierenden Wissensordnungen und Praktiken in den Blick nehmen? Das Projekt „Animismus“ geht davon aus, dass sich die Grenzziehungen im Imaginären einer Kultur symptomatisch spiegeln, dass Repräsentationen, ästhetische Prozesse und mediale Bilder diese Trennlinien konsolidieren, reflektieren und überschreiten. Die Ausstellung untersucht daher, wie sich diese Grenze in ästhetischen Prozessen der Subjektivierung und Objektivierung widerspiegeln, und sie versucht, diese ästhetischen Prozesse in die konkreten geschichtlich-politischen Hintergründe der kolonialen Moderne einzuschreiben.

Das radikalste Gegenbild zur westlich-modernen Weltsicht, deren dualistische Konzeption von einer kategorischen Subjekt-Objekt- Trennung ausging, findet sich im Animismus. Als animistisch werden solche Weltsichten bezeichnet, in denen es keine kategoriale Trennung von Natur und Kultur gibt, in der Objekte, die Natur oder der gesamte Kosmos als belebt wahrgenommen, und daher quasi subjektiviert werden. Ende des 19. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt von Kolonialismus und wissenschaftlichem Fortschrittsglauben, suchte das moderne Weltbild sich im Bild des vormodernen Anderen selbst zu bestätigen. Und der Animismus wurde zum exemplarischen Ausdruck dieser Vorstellung vom Anderen. Animismus ist ein Gegenbild zur „entzauberten“, objektivierten, verdinglichten Welt der Moderne. Aus dieser Perspektive steht er für eine Welt der magischen Verwandlungen, in der die aus der Sicht der Moderne richtigen Grenzen vermeintlich verkannt oder – in einer romantisch-utopischen Wendung – überwunden worden sind. So real die Existenz animistischer Kulturen ist – sie machen nach einem christlichen Handbuch für Missionare heute in all ihrer Heterogenität rund 40 Prozent der Weltbevölkerung aus –, so problematisch war deren Erklärung für die westlich-moderne Tradition. Gehen wir von den eigenen Grundannahmen darüber aus, was „Natur“ und „Kultur“, „Objekte“ und „Subjekte“ konstituiert, so bleibt uns scheinbar nichts anderes übrig, als den Animismus als einen „Glauben“ zu charakterisieren, der die objektive Realität der Dinge verfehlt, und ihn anschließend als einen psychologischen Mechanismus zu erklären. Dabei werden aber die eigenen Grundannahmen und Grenzziehungen unhinterfragt auf andere Kulturen projiziert.

Der Animismus wird hier deswegen thematisiert, weil er eine reale Grenze der westlich-modernen Vorstellung darstellt, weil er eine Provokation des modernen Realitätsprinzips darstellt, das sich tief in die Alltagswahrnehmung eingeschrieben hat. Bestenfalls noch werden animistische Praktiken unter der Rubrik der „Kultur“ anerkannt, aber nur, solange sie keinen Anspruch einklagen, Aussagen über die wirkliche Beschaffenheit etwa der Natur zu treffen. „Animismus“ ist daher keine Ausstellung über den Animismus, die ethnografische Objekte in Vitrinen zeigt, von denen andere Kulturen behaupten, sie seien belebt. Denn die westliche Vorstellung vom Animismus des vormodernen Anderen, der fälschlich an die Beseelung von in Wirklichkeit unbelebten Objekten glaubt, ist selbst ein symptomatischer Ausdruck der modernen Grundannahmen. Der Begriff und die darin angelegte Vorstellung werden hier dagegen wie ein Rückspiegel betrachtet, anhand dessen die eigenen Grundannahmen zur Disposition gestellt werden können und damit als Produkte von Grenzziehungen erkennbar werden. Lässt sich Animismus jenseits der westlichen Vorstellung davon, was „Leben“, „Seele“, „Selbst“, „Natur“, „übernatürliche Kräfte“ oder „Glaube“ sind, als Praxis begreifen, beider es um andere Erfahrungen geht, um Prozesse und Wechselwirkungen von Subjektivierung und Objektivierung etwa, und nicht um starre Kategorien? Das Projekt „Animismus“ legt die Notwendigkeit einer Revision und Dekolonisierung nicht nur des überkommenen Verständnisses von Animismus, sondern auch des sich darin ausdrückenden modernen imaginären nahe.












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Artists : Adam Avikainen, Artefakte//anti-humboldt, Angela Melitopoulos und Maurizio Lazzarato, Tom Holert, Martin Zillinger and Anja Dreschke, Dierk Schmidt, Jimmie Durham, Daria Martin, Paulo Tavares, Agency, Len Lye, Walt Disney, Ken Jacobs, Marcel Broodthaers, Didier Demorcy, Vincent Monnikendam, Candida Höfer, Yayoi Kusama, Victor Grippo, León Ferrari, J.J. Grandville, Rosemarie Trockel, Erik Steinbrecher, Daniel Spoerri, Istvan Orosz, Lars Laumann, David Maljkovic, Anna und Bernhard Blume, Roee Rosen, Hans Richter, Jean Painlevé, Walon Green,

David Abram, Cornelius Borck, Harry Garuba, Avery F. Gordon, Alejandro Haber, Tom Holert, Esther Leslie, Thomas Macho, Angela Melitopoulos/Maurizio Lazzarato, Tobie Nathan, Spyros Papapetros, Elisabeth von Samsonow, Erhard Schüttpelz, Gabriele Schwab, Isabelle Stengers, Michael Taussig, Paulo Tavares, und Rane Willerslev.


Tom Holert, The Labours of Shine, 2012. Courtesy the artist

Anselm Franke ist Ausstellungsmacher, Kritiker und Dozent. Er ist Kurator der Ausstellung „Animismus“, präsentiert von 2010–2012 in verschiedenen Kapiteln in Antwerpen, Bern, Wien, Berlin und New York.

Ausstellung 16 March - 6 Mai 2012. Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles Allee 10 - 10577 Berlin. Tel.: +49 (0)3 03 97 870. Öffnungzeiten : Mi. - Mo. 11 - 19 Uhr.








Brücke im Himmel, OK, Linz

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Ausstellungen ergänzt 2011

Artists : Laurien Bachmann Stefan Banz, Erdal Buldun, Bow-Wow, Janet Cardiff, Eduardo Coimbra, Jürg Conzett, Claudia Czimek, Gino De Dominicis, Gerhard Dirmoser, Wolfgang Dorninger, Ronald Duarte, Jack Falanga, Ceal Floyer, Gianfranco Foschino, Dara Friedman, Shaun Gladwell, Laura Glusman, Shilpa Gupta, Hauenschild / Ritter, Jeppe Hein, Hund & Horn, Zilvinas Kempinas, Mathias Kessler, Isabelle Krieg, Katharina Lackner, William Lamson, Lang / Baumann, Pepi Maier, Angelika Middendorf, Vik Muniz, Gisela Motta / Leandro Lima, Fujiko Nakaya, Yoko Ono, Steve Poleskie, Werner Reitere, Pipilotti Rist, Ruri, Michael Sailstorfer, Eva Schlegel, Servaas, Roman Signer, Ursula Stalder.