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Der Wunsch, ein langfristig angelegtes Projekt über die Grenzen hinweg gemeinsam zu kreieren, kam uns Mitte 2011 in Montevideo. Wie von selbst standen da plötzlich die drei Wörter „Kunst, Kultur & Kritik“ im Raum. Sie versetzten uns in stundenlange Diskussionen darüber, was Kunstkritik und Kunstmachen heute eigentlich bedeuten und wie sich beides gegenseitig ergänzen könnte. Irgendwann war die Idee geboren, eine Internetplattform zu schaffen, auf der sich Künstlerkollektive sowohl aus Europa als auch aus Südamerika vernetzen, austauschen und mit Werken, Projekten, Videos, Fotos, überhaupt Bildern, Ausstellungen und Aktionen präsentieren. So haben nicht nur Künstlerkollektive aus aller Welt, sondern jeder, der sich dafür interessiert, die Möglichkeit daran zu partizipieren, was kollektives Sehen, Denken und Kreieren heißt. Gleichzeitig erhalten Sie unmittelbare Einblicke in andere Kulturen und in die spezielle Situation der Länder, in denen sich ganz unterschiedliche Künstler zu heterogenen Kollektiven zusammenschließen.

„Das kollektive Auge“ heißt die deutsch-uruguayische Plattform Interkollektiv/plataforma intercolectiva mit Redaktionssitzen in Montevideo und Düsseldorf. Wir stellen uns hier nicht nur die Frage, wie Kollektive arbeiten, sondern auch, was sie dazu treibt, etwas gemeinsam zu schaffen. Und: Was hat sich im Zeitalter des Internets verändert? Gibt es eine spezielle Subjektivität des Kollektivs? Worin unterscheidet sie sich von dem, wie Subjektivität bislang definiert wird? Könnte es sein, dass das Kollektive unter den Bedingungen der Neuen Unübersichtlichkeit den Ansprüchen und Erwartungen unserer Zeit eher entspricht? Neben der kollektiven Praxis interessiert uns also auch der Diskurs. Die Theorie. Das Verstehen dessen, was Kollektive tun und was daran anders ist. Aber auch die Geschichte der Kollektive, ihr Scheitern und Gelingen sind ein Thema, dem wir nachgehen wollen. Kein abgehobenes Theoretisieren soll hier stattfinden, sondern eines, das möglichst dicht dran ist an der Realität. So etwas wie eine phänomenologische Lehre der kollektiven Fantasie haben wir dabei im Auge.

Nun soll es nicht nur dabei bleiben, den Begriff des Kollektivs, die Frage der Intersubjektivität philosophisch, soziologisch, ethologisch, historisch, auch kunsthistorisch oder anthropologisch, also auf interdisziplinäre Weise, zu beleuchten. Denn die Plattform Interkollektiv versteht sich vor allem als eine internationale Kooperation von Künstlerkollektiven, die nicht nur virtuell miteinander korrespondieren. Die Plattform ist ein Tool, um Dinge in der Realität oder im realen Leben zu initiieren. Neben Projekten, Aktionen, Ausstellungen oder Performances wollen wir auch Symposien, Kolloquien und Konferenzen zum Thema des Kollektivs organisieren, Diskussionen auslösen, Residenzen schaffen. Ja, wir wollen zur Verbreitung des kollektiven Denkens, Sehens und Vorstellens beitragen. Dabei geht es immer auch um die reale Erfahrung der jeweils anderen Kultur und damit auch um die Erweiterung des eigenen Blickes durch den fremden.

Die Plattform „Das kollektive Auge“ umfasst verschiedene Bereiche: Einen theoretischen Diskursteil, einen Magazinteil mit Informationen und Nachrichten zu Aktivitäten von Künstlerkollektiven, einen Teil, in dem diese sich selbst und ihre Projekte präsentieren können, und einen Teil, in dem die aktuelle Praxis der Kooperation der Kollektive von Beginn an mitverfolgt werden kann.

Dabei ist die Webseite so gestaltet, dass Sie zum Zuschauer der realen Aktivitäten der Künstlerkollektive werden. Hier können Sie erleben, sehen und mitvollziehen, wie Ausstellungen entstehen. Sie haben Anteil an einem vielfältigen Work in Progress. Denn mit Texten, Essays, Arbeitsnotizen, Bildern und Videos werden hier Projekte, Ausstellungen, Aktionen, etc. präsentiert. Nicht nur durch Interviews mit Kuratoren, Künstlerkollektiven und Theoretikern, sondern auch mit möglichst anschaulichen Beschreibungen dessen, was gerade geschieht, wird Ihnen ein unüblicher Blick hinter die Kulissen gewährt, und das noch vor der eigentlichen Eröffnung. Außerdem haben Sie die Gelegenheit, sich einzubringen. Ihre Kritik, Ihre Kommentare, Ergänzungen und Vorschläge sind uns willkommen.

Ein wichtiger Aspekt der Plattform betrifft die Weiterentwicklung der Kunstkritik, die sich insofern von der gängigen Praxis deutlich absetzt, als dass die Kritiker (etablierte, junge und Anfänger) von vornherein stärker in die Künstlerprojekte einbezogen sein sollen und somit direkt, als Teil des Kollektivs und ohne zeitliche Verzögerung, reagieren können. Die Plattform engagiert sich für ein vollkommen anderes Verständnis von Kritik. Denn diese wird hier nicht verstanden als eine nachträgliche Reaktion auf ein Ereignis, ein Projekt oder eine Ausstellung, sondern als eine direkte Intervention während der Entstehung von Ereignissen, Projekten oder Werken. Statt eine Kritik, die immer zu spät kommt, soll eine neuwertige Form der Kritik entwickelt werden, die noch mitten im Prozess der Entstehung etwas verändern, initiieren, korrigieren, vorschlagen und kritisieren kann.


Link zu den Teilnehmern


Das kollektive Auge – eine interkollektive Plattform
Subte, Montevideo (Uruguay)

18.10 - 02.12.2012



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Das kollektive Auge – eine interkollektive Plattform, Subte, Montevideo

Ausstellung 18. October Dezember 2.2012. Centro de Exposiciones SUBTE Plaza Fabini, Avda. 18 de Julio y J. H. y Obes, Montevideo (Uruguay).


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