ArtCatalyse International Ausstellungen

Ausstellungen ergänzt 2013  


 Presstext


Rund 10.000 Dinge besitzt jeder Mensch in der westlichen Welt. Eine unvorstellbare Menge! Seit Anbeginn geht mit der Entwicklung der modernen Industriegesellschaft ein Gefühl des Unbehagens einher, das vor allem kulturkritische Beobachter - von Karl Marx und Sigmund Freud bis Zygmunt Bauman und Charles Taylor - immer wieder formuliert und analysiert haben. So werden beispielsweise Entwicklungen wie die industrielle (Massen-)Produktion von Waren und die Möglichkeit ihres Konsums für alle nicht nur als wesentliche Errungenschaften gefeiert, sondern auch als kulturell bedrohlich gewertet.







Die Liebe zu den Dingen

Kunsthalle Münster (Deutschland)

23.11.2013 - 30.03.2014



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Ausstellung  23 November 2013 - 30 Marz 2013. Kunsthalle Münster, Hafenweg 28 - 48155 Münster (Deutschland). Öffnungszeiten Di Fr 14-19 Uhr -  Sa So 12-18 Uhr.


© ArtCatalyse International / Marika Prévosto 2013. Alle Rechte vorbehalten

Die Liebe zu den Dingen, Kunsthalle Münster

Im Jahr 2008 verlieh der britische Anthropologe Daniel Miller in seinem Buch The Comfort of Things dieser kritischen Haltung gegenüber den Dingen eine interessante Wendung. Über die Beziehung zu den Dingen gewinnt er Erkenntnisse über die Beziehung der Menschen zu sich selbst und zu anderen Menschen, und er zeigt auf, wie sich Dinge positiv auf unser Leben auswirken können. Miller sieht in der je spezifischen Anordnung der Dinge in den Wohnungen der Menschen, die er in seiner Feldstudie besucht hat, eine kosmologische Ordnung gespiegelt.

Auch in den Kunst- und Kulturwissenschaften und der Amerikanistik wird das Areal um die "Dinge" des Alltags in den Thing Studies und Material Culture Studies seit einiger Zeit so positiv gewendet, wie es Philosophen wie Walter Benjamin, Michel de Certeau, Jean Améry oder Hannah Arendt in ihren Schriften schon früher formuliert haben.


Die Ausstellung Die Liebe zu den Dingen versammelt vorwiegend installative Arbeiten, in denen sich eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber Dingen widerspiegelt. Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung nehmen Fragmente des Alltags, der urbanen Umgebung oder vertraute Objekte und stellen sie in einen neuen Kontext. So lassen sie neue Wege entstehen, Dinge wahrzunehmen und Relationen sichtbar zu machen – sowohl für die sinnlich visuelle als auch die intellektuelle Reflektion.


Die Gruppenausstellung verwickelt den Besucher in ein subtiles, mitunter ironisches Frage- und Antwortspiel: Hegen die Künstlerinnen und Künstler dabei
Vorlieben für bestimmte Dinge? Folgen sie in ihrer Anordnung einer bestimmten Ästhetik? Und wie nimmt der Betrachter diese wahr? Wie gelingt die Bildung von Identifikation über die Funktion und die „Sprache“ des Gegenstands? Welche Rolle spielt in diesem Kontext die „Oberfläche“ der Dinge? Welche Informationen gibt die Beschaffenheit der Oberfläche zur inhaltlichen Bedeutung des Gegenstands preis? Wie sehen die wechselseitigen Beziehungen der verschiedenen Ebenen aus? Gemeinhin vermutete man hinter und unter der Oberfläche eine zu enthüllende Tiefe und somit “die wahre Bedeutung” der Dinge und Körper. Wurde die Oberfläche aus diesen Gründen lange Zeit gering geschätzt und übersehen?


Ob auf zurückgenommene, beobachtende, spielerische, ironische oder bitterböse Weise, immer handelt es sich um einen unkonventionellen und deshalb unerwarteten Zugang zu Dingen, Phänomenen und Beziehungen.


Artists: Wiebke Bartsch, Alexandra Bircken, Karla Black, Kristina Bræin, Sylvie Fleury, Andreas Gloël, Surasi Kusolwong, Al Masson, Roman Signer, Florian Slotawa, Erwin Wurm, Haegue Yang.


Kurators: Susanne Düchting, Gail Kirkpatrick, Julia Wirxel