ArtCatalyse International Ausstellungen

Ausstellungen ergänzt 2014


 Presstext


Der Begriff „Landschaft“ hat innerhalb wie außerhalb des Kunstdiskurses mannigfaltige Bedeutungen. Er kann zum Beispiel das ganz reale Lebensumfeld des Menschen genauso meinen wie touristisch besuchte bzw. verwertete Landstriche. Er kann das Land bezeichnen, das verschiedene Wissenschaften erforschen, genauso wie jenes, das für unterschiedlichste Zwecke verändert oder genutzt wird.
























Landschaft: Transformation einer Idee

Neue Galerie Graz, Graz (Austria)

19.06 - 06.09.2015



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Landschaft: Transformation einer Idee, Neue Galerie Graz

© ArtCatalyse International / Marika Prévosto 2015. Alle Rechte vorbehalten

Auch kann „Landschaft“ – etwa im Sinn von „Heimat“ – einen stark emotional wie politisch besetzten Ort definieren etc. Alle diese Funktionszusammenhänge haben entsprechende Bilder und Darstellungsformen hervorgebracht, von denen die künstlerische Landschaftsmalerei und -zeichnung nur eine ist.


Diese Ausstellung verfolgt daher auch nicht das Ziel, einen stilgeschichtlichen Überblick über die Geschichte der Landschaftsmalerei im Sammlungszeitraum der Neuen Galerie Graz von 1800 bis zur Gegenwart zu geben. Sie unternimmt den darüber hinausgehenden und weiter gefassten Versuch, mit Exponaten aus der Sammlung die komplexen Wechselwirkungen zwischen der Darstellung von Landschaft einerseits und der Wahrnehmung bzw. dem Verständnis von Natur und Realität andererseits sichtbar zu machen.


Zu diesem Zweck werden zwei Zeiträume, die rund hundert Jahre auseinanderliegen und scheinbar nicht kommunizieren, zueinander in Beziehung gesetzt: die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Zeit von ca. 1960 bis heute, während die Jahre zwischen etwa 1850 und 1950 ausgespart bleiben. Auf diese Weise können verblüffende Parallelen wie auch Gegensätze dieser beiden Epochen deutlich gemacht werden.


Das wissenschaftliche Bild der Natur und das künstlerische Bild treten im 19. Jahrhundert in eine vielfältigere Wechselwirkung als zuvor – ein Prozess, der sich bis heute weiter verdichtet und spezialisiert hat. Beispielsweise lässt sich am Eisenbahnbau im frühen 19. Jahrhundert und an der Satellitenvermessung der Erde (GPS) sowie an den daraus generierten Bildern (Eisenbahnsuite bzw. Google Earth) zeigen, wie neue Technologien sowohl den Funktionsrahmen der Landschaft als auch deren Bilder verändern. Landschaft ist immer die sinnbildliche Einheit von Natur und kulturellen Aneignungsmustern und ihr Bild ergibt sich aus dem vielfältigen Netzwerk des Wissens der jeweiligen Epoche. Die technischen Medien – Fotografie, Film, Video und Computer – haben die dokumentarischen bzw. wissenschaftlichen Aspekte des Natur-Bildes unterstützt und so zum Wandel der Realität selbst beigetragen. Folglich wird klar, dass Natur wie Landschaft Konstruktionen von Wirklichkeit sind: Die Landkarte stellt das Land nicht dar, sie konstruiert es vielmehr. Die Kunst wiederum erweist sich in dem Zeitraum, den diese Ausstellung umfasst, als analytische Struktur der konstruierten Wirklichkeit.


Kuratiert von: Gudrun Danzer, Günther Holler-Schuster





Franc Novinc, Morning, 1971. Photo: N. Lackner/UMJ.





Exhibition 19 June - 6 September 2015. Neue Galerie Graz,
Joanneumsviertel -
8010 Graz (Austria). Tel.: +43 316/8017 9100.
Öffnungszeiten Di-So 10-17 Uhr.