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Pressmitteilung


Was sagen uns die Kunstwerke der Welt, in der wir leben und die wir jeden Tag aufs Neue (de)konstruieren, (de)formieren, (de)kodieren? Welche sind die Bilder, die die Künstler uns von unseren Körpern, von unserer Erde, unseren Städten, unseren Träumen und unseren Ängsten zeichnen? Die Ausstellung Schöne Neue Welt ermöglicht, mit Hilfe der Werke von mehr als achzig zeitgenössischen Künstlern und aus der Sicht der Mudam Sammlung, einen offenherzigen und überraschenden Blick auf die Welt, die uns umgibt.


Einleitung

Jede Sammlung ist ein Blick auf die Welt. Ist ihr Inhalt die zeitgenössische Kunst, dann ist sie Spiegel für die Kunst und die Welt, die in Bewegung, im Werden und im Entstehen sind. Je lebendiger und aufmerksamer dieser Blick ist, desto bereichernder und komplexer kann die Sammlung von der Kunst und von der Welt erzählen.


Eine öffentliche Sammlung zeitgenössischer Kunst wie diejenige des Mudam bemüht sich um diesen Reichtum und um diese Komplexität. Noch ist sie eine junge Sammlung, da sie erst vor gut zwölf Jahren begonnen wurde. Dennoch lässt sie bereits den Weitblick und den Sachverstand derjenigen erkennen, die an ihren Anfängen standen: von 1996 bis 1999 Bernard Ceysson und anschließend Marie-Claude Beaud, die erste Direktorin, die das Museum in den Jahren 2000 bis 2008, in der Phase seiner Entstehung und seiner Entfaltung, leitete.


Denn in einem Museum folgen die Blicke aufeinander, sie addieren einander und erlauben es der Sammlung, allmählich ihre Richtung zu ändern und den Horizont zu erweitern, ohne dabei ihre Anfänge außer Acht zu lassen oder ihren Werdegang zu vergessen. Eine Sammlung schöpft dauerhaft aus den gemachten Erfahrungen wie auch aus dem Fond der angekauften Werke und bekommt im Lauf der Jahre eine doppelte Blickrichtung: ohne den Blick auf die Kunst und die Welt zu verlieren, die vor ihren Augen entsteht und sich verändert und woran sie aktiv Anteil nimmt, bewahrt sie gleichzeitig einen Blick auf sich selbst, führt eine Reflexion über das Wie und das Warum ihrer eigenen Existenz und pflegt ein permanentes Infragestellen ihrer eigenen Entwicklung.


Die Ausstellung Schöne Neue Welt (Aus Sicht der Mudam Sammlung) stellt ebenfalls eine doppelte Blickrichtung dar. Zunächst ist da der Blick der Sammlung auf die Welt: was sagen uns die Kunstwerke der Welt, in der wir leben und an deren (De-)Konstruktion, (De-)Formation, (De-)Kodierung wir jeden Tag Anteil haben? Wie stellen die Künstler unser eigenes Antlitz, unsere Träume und unsere Ängste dar? Der Betrachter, der sich vor einem Werk die Zeit nimmt, um sich den vor seinem geistigen Auge aufkommenden Fragen zu stellen, mag die ganze Bandbreite der möglichen Antworten ermessen.


Kurator: Enrico Lunghi (Mudam)














Schöne Neue Welt, Aus Sicht der MUDAM Sammlung
MUDAM, Luxembourg

30.01 - 23.05.2010


































11.10.2012 - 20.01.2013




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Catch Me! Geschwingkeit Fassen, Kunsthaus Graz

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Ausstellungen ergänzt 2010

Austellung 06.02.-25.04.2010. Austellung 06.02.-25.04.2010. Kunsthaus Graz, Space01, Lendkai 1 - 8020 Graz (Österreich). Tel.: +43-316/8017-9200. Dienstag - Sonntag 10h - 18h.



Der andere Blick ist derjenige der Sammlung auf sich selbst: sie kann sich sehen lassen, in ihrer Eigenart, mit ihrem Sachverstand, ihrer Vielfalt, ihrer Komplexität, ihrer Offenheit für die unterschiedlichsten und die aktuellsten künstlerischen Positionen. Sie stellt auch ihre (wenigen) Schwächen aus, in denen ihre Fülle umso deutlicher wird und die ihre Lebendigkeit unterstreichen. Außerdem legt sie Zeugnis ab von ihrer Freiheit, ihrer Unabhängigkeit und auch von ihrem Mut,denn sie weiß, dass eine öffentliche Sammlung zeitgenössischer Kunst nicht den Strömungen der Mode, den Gesetzen des Marktes, dem öffentlichen Druck oder einer einzelnen Sicht auf die Welt folgen darf. Ihr größter Reichtum besteht in der Verbindung von intuitiven Methoden mit den Kenntnissen der jüngsten künstlerischen Entwicklungen, sowie in der Verknüpfung der fachlichen Kompetenzen einer Wissenschaft wie der Kunstgeschichte mit der Verantwortung gegenüber den Bedürfnissen seiner so vielfältigen und unterschiedlichen Besucher aus unserer Gesellschaft.


Doch wie kann man die Bandbreite all dieser Blicke darstellen, ohne eine immer gleiche Lesart vorzugeben? Die hier vorgelegte Methode besteht darin, in einzelnen Werkgruppen Geschichten zu erzählen und vier fragmentarische und ineinander übergehende „Episoden” einer fiktiven Erzählung zu bilden, deren Titel an das Buch von Aldous Huxley aus dem Jahre 1932 erinnert: Brave New World.

Es wurden jedoch lediglich der Titel und einige Auszüge verwendet aus diesem berühmten und visionären Roman, in dem der Autor ironisch seine hellsichtige und schonungslose Sicht auf die Welt beschrieb, die er selbst vor Augen hatte. Die Sammlung ist darüber hinaus eine Anregung, intuitiv und nicht ohne Humor und Mitgefühl weitere Erzählungen zu finden. Schließlich stellt sie es jedem Besucher frei, sich die ausgestellten Werke in einer persönlichen, sprunghaften Art des Schauens anzueignen, die in „Episoden“ von unserem Antlitz, von unseren Kunstwelten, von unseren Territorien, von unseren Träumen und von unseren Ängsten erzählen. Dabei sollte er diese Kapitel nicht als feste und unveränderbare Kategorien verstehen, denn die meisten Werke wären ebenso gut in einer anderen „Episode“ aufgehoben. Außerdem reagiert die Ausstellung damit auch auf die Idee des Architekten I. M. Pei, der für sein Bauwerk gleichfalls keinen vorgeschriebenen Parcours geplant hatte.


Schöne Neue Welt stellt so also einen Teil der Sammlung des Mudam vor. Weitere Ausstellungen der Sammlung werden folgen, in anderer Form und mit anderen Geschichten, da hier und jetzt glücklicherweise nicht die gesamte Sammlung gezeigt werden kann. Mangels Platz, natürlich, aber auch, weil auszustellen bedeutet, eine Auswahl zu treffen. Und vor allem, weil die Sammlung zwar langsam, aber beständig wächst und uns auch weiterhin neue Blickwinkel auf die Kunst und die Welt eröffnen wird, ausgehend von unserer spezifischen Situation, hier in Luxemburg zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das Abenteuer geht weiter.


Enrico Lunghi, Direktor